Grundwissen
Was sind Blaualgen?
Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien — Bakterien, die Photosynthese betreiben. Bei Wärme, Nährstoffreichtum und ruhigem Wasser können sie sich massenhaft vermehren.
Wie eine Blüte entsteht
Drei Zutaten begünstigen eine Massenvermehrung („Blüte“): warmes Wasser — über etwa 20 °C vermehren sich Cyanobakterien deutlich schneller —, viele Nährstoffe, vor allem Phosphor aus Landwirtschaft und Abwasser, und wenig Durchmischung an windstillen Tagen. Deshalb häufen sich Meldungen im Sommer und Spätsommer — nach Hitzeperioden auch sehr plötzlich.
So können sie aussehen
- Grüne Schlieren — Wie verlaufene Farbe oder Schlieren.
- Aufrahmung am Ufer — Wind treibt es an einer Uferseite zusammen.
- Matten und Teppiche — Angespültes Material am flachen Ufer.
- Erbsensuppen-Look — Trübes, gleichmässig grünes Wasser.
- Nicht jede Grünfärbung ist Blaualge — Wasserpflanzen, Fadenalgen oder Pollen.
Häufige Verwechsler
Das meiste, was für eine Blüte gehalten wird, ist keine: Entengrütze, Pollen, Fadenalgen, Wasserpflanzen, aufgewirbelter Schlamm oder ein Ölfilm sehen aus der Ferne ähnlich aus. Zu jedem Bild steht das Merkmal, an dem du den Unterschied siehst. Umgekehrt gilt: Einen Verwechsler zu erkennen heisst nicht, dass das Gewässer frei von Cyanobakterien ist — beides kann nebeneinander im selben Wasser stehen.









Viele Arten bilden Giftstoffe. Ob eine Blüte das gerade tut, sieht man ihr nicht an — auch nicht auf dem Foto.
- Hochsommer bis Herbst
- Nach warmen, stillen Wochen
- Flache Gewässer zuerst
- Auch im Winter möglich
Blüten sind ein natürlicher Vorgang und in vielen Seen bekannt. Die App zeigt, was gerade gemeldet ist.
Wo sie vorkommen
- Nährstoffreiche Seen, Weiher und Badeteiche — der häufigste Fall.
- Ruhige Buchten und Uferzonen, wo Wind das Material zusammentreibt.
- Tiefe Voralpenseen: Die Burgunderblutalge (Planktothrix rubescens) bildet dort rötliche Aufrahmungen — auch im kalten Halbjahr.
- Als Matten und Beläge am Grund oder angespült am Ufer (benthische Arten).
Wichtig
Auch wenn keines dieser Anzeichen sichtbar ist: Das bedeutet nicht, dass das Gewässer frei von Cyanobakterien oder anderen Gefahren ist.
Häufige Fragen
Sind Blaualgen überhaupt Algen?
Nein. Der Name ist historisch und irreführend: Es handelt sich um Cyanobakterien, also Bakterien, die Photosynthese betreiben. Für die Praxis am Ufer ist das mehr als eine Wortklauberei — es erklärt, warum sie sich anders verhalten als echte Algen: Sie können ihren Auftrieb regulieren und deshalb innerhalb von Stunden an die Oberfläche steigen oder absinken. Genau deswegen kann ein See morgens unauffällig und mittags dicht aufgerahmt sein.
Wann treten Blaualgen auf?
Der Schwerpunkt liegt im Sommer und Spätsommer, wenn Wasser warm und die Wasserschicht stabil ist und Nährstoffe aus Landwirtschaft und Abwasser reichlich vorhanden sind. Ausschliesslich ein Sommerphänomen sind sie aber nicht: In milden Jahren gibt es Blüten bis in den Herbst, und einzelne Arten treten auch bei kühleren Temperaturen auf. Eine Jahreszeit allein ist deshalb kein verlässlicher Grund, auf den Blick aufs Wasser zu verzichten.
Warum blüht es in manchen Seen jedes Jahr?
Weil die Voraussetzungen dort dauerhaft günstig sind: viel Phosphor und Stickstoff im Wasser, geringe Tiefe, wenig Durchmischung, warme Sommer. Nährstoffe verschwinden nicht von selbst — sie sind im Sediment gespeichert und werden immer wieder verfügbar. Deshalb sind es oft dieselben Gewässer, die in den Meldungen auftauchen. Auf den Gewässerseiten dieser Website siehst du, wie oft ein See in der Vergangenheit bereits betroffen war.
Gibt es Blaualgen auch in Flüssen und Bächen?
Ja, wenn auch seltener sichtbar als in stehenden Gewässern. In langsam fliessenden Abschnitten, Staubereichen und Altarmen kann es ebenfalls aufrahmen. Häufiger sind in Fliessgewässern die benthischen Matten am Grund: dunkelgrüne bis bräunliche Beläge auf Steinen, die sich ablösen und in Uferbereichen sammeln. Für Hunde sind gerade diese Matten gefährlich, weil sie am Ufer liegen und interessant riechen.
Nicht jedes Gewässer wird beprobt, und die Lage kann sich innerhalb eines Tages ändern. Beschilderung und Aufsicht vor Ort gehen immer vor. Bei Beschwerden nach Wasserkontakt gehört die Einschätzung zu Arzt oder Tierarzt — dieser Text ersetzt sie nicht.
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