Grundwissen

Was sind Blaualgen?

Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien — Bakterien, die Photosynthese betreiben. Bei Wärme, Nährstoffreichtum und ruhigem Wasser können sie sich massenhaft vermehren.

Wie eine Blüte entsteht

Drei Zutaten begünstigen eine Massenvermehrung („Blüte“): warmes Wasser — über etwa 20 °C vermehren sich Cyanobakterien deutlich schneller —, viele Nährstoffe, vor allem Phosphor aus Landwirtschaft und Abwasser, und wenig Durchmischung an windstillen Tagen. Deshalb häufen sich Meldungen im Sommer und Spätsommer — nach Hitzeperioden auch sehr plötzlich.

Warmes Wasser
Viele Nährstoffe
Wenig Durchmischung

So können sie aussehen

Unsicher, was du siehst? Mache ein Foto und prüfe es mit dem AI-Check.

Häufige Verwechsler

Das meiste, was für eine Blüte gehalten wird, ist keine: Entengrütze, Pollen, Fadenalgen, Wasserpflanzen, aufgewirbelter Schlamm oder ein Ölfilm sehen aus der Ferne ähnlich aus. Zu jedem Bild steht das Merkmal, an dem du den Unterschied siehst. Umgekehrt gilt: Einen Verwechsler zu erkennen heisst nicht, dass das Gewässer frei von Cyanobakterien ist — beides kann nebeneinander im selben Wasser stehen.

Geschlossene Entengrütze-Decke mit windgezogenen Wirbelmustern auf dem Großen Rohrpfuhl in Berlin
Entengrütze: sieht aus wie ein dicker AlgenteppichDer perfekte Fehlalarm — es ist Entengrütze. Sie besteht aus unzähligen einzelnen, scharf berandeten Blättchen; eine Blüte hat keine Ränder, sie zerläuft. Mit dem Stock beiseitegeschoben schwimmt Entengrütze als Ganzes zurück.Foto: Leonhard Lenz · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Luftbild eines Waldsees in Karelien mit grünen Wasserlinsen-Inseln auf dunklem Wasser
Luftbild: grüne Inseln aus WasserlinsenVon oben täuscht das besonders: Diese Flecken haben feste, gezackte Ränder und liegen tagelang an derselben Stelle. Eine Blüte wandert mit dem Wind und verändert stündlich ihre Form.Foto: Nikolai Bulykin · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Gelber Pollenschaum, der am Kiesufer von Loch Lomond angespült ist
Gelber Schaum am Ufer — Blütenstaub, keine AlgeDer Schaum am Spülsaum ist Blütenstaub von Bäumen. Er ist gelb bis ockerfarben statt grün oder blau, wirkt trocken-mehlig statt schmierig, und er tritt im Frühjahr auf, wenn die Bäume blühen.Foto: Tim Heaton · Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
Gelbbraune Schlieren aus Erlenpollen und Blütenresten am Ufer eines Waldweihers in Kockelscheuer, Luxemburg
Gelbbraune Schlieren am Waldweiher: ErlenpollenSchlieren müssen keine Algen sein: Hier treiben Pollen und abgefallene Erlenkätzchen zusammen. Die Farbe ist gelbbraun statt grün, und die Schlieren liegen als staubiger Film obenauf, während eine Blüte das Wasser bis in die Tiefe einfärbt.Foto: Cayambe · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Graugrüne Fadenalgen-Watten treiben in weichen Bögen auf einem Kanal in Lille
Fadenalgen: verfilzte Watten, die zusammenhängenDie Farbe hilft hier nicht weiter — die Watten wirken graugrün, und sie treiben in weichen Bögen wie eine Schliere. Der Unterschied liegt im Zusammenhalt: Fadenalgen sind ein Gespinst aus Fäden, das sich mit einem Stock am Stück herausheben lässt, und das Wasser darunter bleibt ungefärbt. Eine Blüte hängt an nichts — sie zerfällt beim Anstossen und färbt das Wasser selbst ein.Foto: Lamiot · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Schwimmendes Laichkraut mit Schwimmblättern und Blütenähren auf einem Teich
Schwimmendes Laichkraut: Blätter, Stiele, BlütenVon Weitem eine geschlossene grüne Decke, von Nahem eine Pflanze: feste, ledrige Blätter mit erkennbarer Form, Stiele nach unten in den Grund und aufrechte Blütenähren. Alles mit Blättern und Stielen ist Pflanze, nie Blüte.Foto: Christian Fischer · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Von einer Schiffsschraube aufgewirbelte Sedimentwolke im Rhein, braune Schlieren im grünen Wasser
Braune Schlierenwolke — aufgewirbelter SchlammSieht aus wie ein treibender Algenteppich, ist aber Schlamm vom Gewässergrund. Solche Wolken entstehen nach Regen, Sturm oder Bootsverkehr und klaren nach ein bis zwei ruhigen Tagen ab — eine Blüte wird bei ruhigem, warmem Wetter im Gegenteil dichter.Foto: Günther Lamek, Rhein-Museum Koblenz · Wikimedia Commons · CC BY 4.0
Regenbogenfarbener Ölfilm am Ufer des Sandogardy Pond in New Hampshire
Regenbogenfarbener Ölfilm am UferRegenbogenfarben auf dem Wasser kommen von Öl oder Treibstoff. Der Film ist hauchdünn, fliesst nach dem Anstossen wieder zusammen und färbt das Wasser darunter nicht — eine Blüte trübt das Wasser selbst ein.Foto: Jomegat · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Schillernder, in Schollen zerbrochener Belag von Eisenbakterien auf einem Tümpel in Schottland
Schillernder Film — Eisenbakterien, kein Öl und keine AlgeDer Belag schillert bunt und ist in eckige Schollen zerbrochen wie dünnes Eis — typisch für Eisenbakterien in eisenhaltigem Wasser. Blaualgen schillern nie; sie sind matt grün, blau oder bräunlich.Foto: Rosser1954 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Warum sie gefährlich sind

Viele Arten bilden Giftstoffe. Ob eine Blüte das gerade tut, sieht man ihr nicht an — auch nicht auf dem Foto.

Wann es am ehesten auftritt
  • Hochsommer bis Herbst
  • Nach warmen, stillen Wochen
  • Flache Gewässer zuerst
  • Auch im Winter möglich
Gut zu wissen

Blüten sind ein natürlicher Vorgang und in vielen Seen bekannt. Die App zeigt, was gerade gemeldet ist.

Wo sie vorkommen

Wichtig

Auch wenn keines dieser Anzeichen sichtbar ist: Das bedeutet nicht, dass das Gewässer frei von Cyanobakterien oder anderen Gefahren ist.

Häufige Fragen

Sind Blaualgen überhaupt Algen?

Nein. Der Name ist historisch und irreführend: Es handelt sich um Cyanobakterien, also Bakterien, die Photosynthese betreiben. Für die Praxis am Ufer ist das mehr als eine Wortklauberei — es erklärt, warum sie sich anders verhalten als echte Algen: Sie können ihren Auftrieb regulieren und deshalb innerhalb von Stunden an die Oberfläche steigen oder absinken. Genau deswegen kann ein See morgens unauffällig und mittags dicht aufgerahmt sein.

Wann treten Blaualgen auf?

Der Schwerpunkt liegt im Sommer und Spätsommer, wenn Wasser warm und die Wasserschicht stabil ist und Nährstoffe aus Landwirtschaft und Abwasser reichlich vorhanden sind. Ausschliesslich ein Sommerphänomen sind sie aber nicht: In milden Jahren gibt es Blüten bis in den Herbst, und einzelne Arten treten auch bei kühleren Temperaturen auf. Eine Jahreszeit allein ist deshalb kein verlässlicher Grund, auf den Blick aufs Wasser zu verzichten.

Warum blüht es in manchen Seen jedes Jahr?

Weil die Voraussetzungen dort dauerhaft günstig sind: viel Phosphor und Stickstoff im Wasser, geringe Tiefe, wenig Durchmischung, warme Sommer. Nährstoffe verschwinden nicht von selbst — sie sind im Sediment gespeichert und werden immer wieder verfügbar. Deshalb sind es oft dieselben Gewässer, die in den Meldungen auftauchen. Auf den Gewässerseiten dieser Website siehst du, wie oft ein See in der Vergangenheit bereits betroffen war.

Gibt es Blaualgen auch in Flüssen und Bächen?

Ja, wenn auch seltener sichtbar als in stehenden Gewässern. In langsam fliessenden Abschnitten, Staubereichen und Altarmen kann es ebenfalls aufrahmen. Häufiger sind in Fliessgewässern die benthischen Matten am Grund: dunkelgrüne bis bräunliche Beläge auf Steinen, die sich ablösen und in Uferbereichen sammeln. Für Hunde sind gerade diese Matten gefährlich, weil sie am Ufer liegen und interessant riechen.

Keine Meldung heisst nicht sauber.

Nicht jedes Gewässer wird beprobt, und die Lage kann sich innerhalb eines Tages ändern. Beschilderung und Aufsicht vor Ort gehen immer vor. Bei Beschwerden nach Wasserkontakt gehört die Einschätzung zu Arzt oder Tierarzt — dieser Text ersetzt sie nicht.

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