Erkennen

So können sie aussehen

Die Leitfrage der Felderkennung: Verläuft das Grün diffus wie verschüttete Farbe — oder besteht es aus erkennbaren Einzelstrukturen? Cyanobakterien-Filme verlaufen diffus; die häufigsten Verwechsler haben Struktur.

Typische Anzeichen

Grüne Schlieren einer Blaualgenblüte am Ufer des Ziegelsees in Mölln
Ziegelsee: Schlieren wie verschüttete FarbeAm windabgewandten Ufer zusammengetrieben — das Leitsymptom. Die Masse hat keine festen Ränder, sie verläuft.Foto: Wikitarisch · Wikimedia Commons · CC BY 4.0
Grüne Schlieren einer Blaualgenblüte am Steinufer der Talsperre Bautzen
Talsperre Bautzen: grüne Schlieren treiben ans UferDie grüne Masse zieht sich in weichen, verwirbelten Schlieren durchs Wasser wie umgerührte Farbe. Genau das ist das Erkennungszeichen: Eine Blüte hat keine festen Ränder, sie zerläuft.Foto: Fiver, der Hellseher · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Grün gefärbtes Wasser am Badestrand von Catawba Island am Lake Erie mit dickem grünem Wulst am Wellensaum
Badestrand am Lake Erie: das Wasser selbst ist grünDie Farbe steckt im Wasser, nicht obenauf — es ist bis zum Grund grün getrübt. Am Wellensaum schiebt der Wind die Masse zu einem dicken grünen Wulst zusammen; wo der Wind hin weht, wird eine Blüte dichter.Foto: NOAA · Wikimedia Commons · Public domain
Massenentwicklung von Blaualgen färbt den ganzen Tsukui-See in Japan leuchtend gelbgrün
Ganzer See in Lackfarben-GrünDer See leuchtet giftgrün wie verschüttete Lackfarbe, und in der Fläche stehen feine Wirbel. Wenn eine ganze Wasserfläche die Farbe wechselt und nicht nur einzelne Flecken auftauchen, ist es eine Blüte.Foto: Σ64 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Dichter grüner Algenteppich, der am Ufer von St Margaret’s Loch in Edinburgh in leuchtendes Türkisblau umschlägt
Grüner Teppich, der am Ufer türkisblau wirdAm Ufer kippt das Grün ins Türkisblaue. Diese blaue Farbe entsteht, wenn Blaualgen absterben und ihren blauen Farbstoff freisetzen — keine Wasserpflanze und keine Grünalge macht das. Blau am Spülsaum ist das deutlichste Zeichen.Foto: Rosser1954 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Türkisblauer Algenbelag am Spülsaum des Stausees Grafham Water in England
Türkisblauer Belag am SpülsaumAm Ufer liegt ein türkis-blauer Belag wie ausgeschüttete Wandfarbe. Diese unnatürlich blaue Tönung entsteht nur beim Zerfall von Blaualgen — Schlamm ist braun, Fadenalgen sind grün, Pollen sind gelb.Foto: Des Blenkinsopp · Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
Zusammengeschobene Blaualgenhaut in einer geschützten Bucht der Ostsee
Ostsee-Bucht: die Blüte treibt als zusammenhängende HautDie Blüte liegt als zusammenhängende, fetzige Haut auf dem Wasser und reisst in unregelmässige Schollen auf. Sie besteht nicht aus einzelnen Teilen, die man abzählen oder abfischen könnte.Foto: Jukka, Helsinki · Wikimedia Commons · CC BY 2.0
Milchig-türkises Wasser einer Blaualgenblüte zwischen blühendem Wasser-Knöterich im Burn of Burrafirth auf Shetland
Milchig-türkises Wasser zwischen WasserpflanzenZwischen den Pflanzen steht milchig-türkises Wasser, als hätte jemand Farbe hineingegossen. Die Trübung sitzt im Wasser und umspült die Stängel — sie liegt nicht als Schicht obenauf und lässt sich nicht wegschieben.Foto: Mike Pennington · Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
Zusammengeschobene Blaualgenhaut in einer geschützten Bucht der Ostsee
Aufrahmung aus der NäheDie Blüte liegt als zusammenhängende, fetzige Haut auf dem Wasser und reisst in unregelmässige Schollen auf — sie besteht nicht aus einzelnen Teilen, die man abzählen könnte.Foto: Jukka, Helsinki · Wikimedia Commons · CC BY 2.0
Nahaufnahme einer dichten Blaualgenblüte mit körniger Oberfläche in einem Hafenbecken in Lille
Nahaufnahme: körnige Oberfläche wie grüner GriessAus der Nähe wirkt die Oberfläche feinkörnig, fast wie grüner Griess. Diese Körnchen sind Kolonien von Blaualgen — zwischen den Fingern zerrieben bleibt grüner Schmier, keine Fasern und keine Blättchen.Foto: Lamiot · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Bräunlich-beige Oberflächenmatten einer Blaualgenblüte auf einem Teich in einem US-Nationalpark
Blüte muss nicht grün sein: bräunliche MattenNicht jede Blüte ist grün — hier schwimmen bräunlich-beige Matten. Entscheidend ist nicht die Farbe, sondern die Beschaffenheit: Die Masse zerfliesst schlierig, hat keine festen Blätter und keine Fasern.Foto: National Park Service (NPS) · Wikimedia Commons · Public domain
Diffus grünlich getrübtes Wasser im West Basin des Lake Burley Griffin
Diffuse grünliche Trübung ohne TeppichKeine erkennbaren Einzelstrukturen, nur eine gleichmässig grünliche Trübung — verdächtig, auch wenn nichts obenauf schwimmt.Foto: Grahamec · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Häufige Verwechsler

Verwechsler Entengrütze: unzählige einzelne, scharf berandete Blättchen — eine Blüte hat keine Ränder, sie zerläuft.
Verwechsler Entengrütze: unzählige einzelne, scharf berandete Blättchen — eine Blüte hat keine Ränder, sie zerläuft.Foto: Leonhard Lenz · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Was du siehstWas es sein kann
Einzelne runde Blättchen, 2–5 mmWasserlinsen — keine Cyanobakterien
Zusammenhängende Fäden, die sich heraufheben lassenFadenalgen
Gelblicher Staubfilm, vor allem im FrühsommerPollen
Weisser Schaum vom WellenschlagKein Anzeichen
Grünlicher, rahmiger „Schaum“Verdacht auf Cyanobakterien

Struktur spricht gegen Cyanobakterien, diffus verlaufende Farbe dafür.

So altern Blüten

Eine absterbende Aufrahmung verliert das Leuchtgrün und wird blass-türkis bis gräulich — sie bleibt gefährlich, denn beim Zerfall der Zellen werden Giftstoffe frei. Ausgeblichene Inseln und angetrocknete türkise Ufersäume sind deshalb genauso ernst zu nehmen wie frische Teppiche.

Alternde Blüte: blass-türkise, gräuliche Aufrahmungs-Inseln auf grün getrübtem Wasser — weiterhin gefährlich.
Alternde Blüte: blass-türkise, gräuliche Aufrahmungs-Inseln auf grün getrübtem Wasser — weiterhin gefährlich.Foto: Lamiot, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Der Stock-Test

Wenn du unsicher bist: Führe einen Stock (nie die blosse Hand) durch das grüne Material. Fadenalgen lassen sich als zusammenhängende Stränge herausheben. Eine Cyanobakterien-Schliere zerfällt dabei und bleibt als Farbfilm am Stock zurück. Danach den Stock nicht von Hunden ablecken lassen und Hände waschen.

Zwei Sonderfälle

Rötliche bis burgunderrote Aufrahmung kann die Burgunderblutalge sein — sie sieht nicht „blaugrün“ aus, ist aber eine Cyanobakterie. Rot ist keine Entwarnung. Umgekehrt ist türkises, aber klares Wasser in Gebirgs- und Gletscherseen meist mineralisch bedingt und kein Anzeichen — entscheidend ist die Kombination aus Trübung und Aufrahmung.

Wichtig

Auch wenn keines dieser Anzeichen sichtbar ist: Das bedeutet nicht, dass das Gewässer frei von Cyanobakterien oder anderen Gefahren ist. Beachte Beschilderung und aktuelle Meldungen.

Häufige Fragen

Wie sehen Blaualgen im Wasser aus?

Am häufigsten als Schlieren, die diffus verlaufen wie verschüttete Farbe, ohne erkennbare Ränder. Auf ruhigem Wasser kann eine Blüte aufrahmen und einen Teppich bilden, am windabgewandten Ufer sammelt sie sich an. Feine grüne Flocken gleichmässig im Wasser — „grüner Griess" — gehören ebenfalls dazu, ebenso eine Trübung wie Erbsensuppe. Am Grund kommen dunkelgrüne Matten vor, die sich ablösen und ans Ufer gespült werden.

Blaualgen oder Fadenalgen — wie unterscheide ich das?

Über die Struktur, nicht über die Farbe. Fadenalgen lassen sich mit einem Stock als zusammenhängende Fäden herausheben; eine Cyanobakterien-Blüte zerfällt dabei und läuft wieder zusammen. Wasserlinsen bestehen aus runden Blättchen von zwei bis fünf Millimetern mit scharfen Rändern und schwimmen als Ganzes zurück, wenn man sie beiseiteschiebt. Pollen liegen als gelber, staubiger Film obenauf. Bleibt es unklar, ist das ein Grund für Vorsicht, nicht gegen sie.

Sind Blaualgen immer blaugrün?

Nein. Blaugrün oder türkis ist ein starkes Zeichen, weil der Farbstoff Phycocyanin praktisch nur bei Cyanobakterien vorkommt — aber es fehlt oft. Die Burgunderblutalge Planktothrix rubescens rahmt rötlich bis burgunderrot auf und ist trotzdem eine Cyanobakterie: Rot ist keine Entwarnung. Umgekehrt ist türkises, klares Wasser in Gebirgs- und Gletscherseen mineralisch bedingt und kein Hinweis. Entscheidend ist die Kombination aus Trübung, Verlaufsmuster und Ufersaum, nicht der Farbton allein.

Ist Schaum am Ufer ein Warnzeichen?

Weisser Schaum durch Wellenschlag oder Huminstoffe ist kein Hinweis auf Cyanobakterien — der entsteht auch in völlig unauffälligen Gewässern. Grünlicher, rahmiger Belag dagegen zählt als Aufrahmung und ist eines der deutlicheren Zeichen. Ebenfalls auffällig ist ein angetrockneter türkiser Saum am Ufer: Er stammt von einer absterbenden Blüte. Der Unterschied liegt in Farbe und Konsistenz, nicht darin, dass überhaupt Schaum vorhanden ist.

Keine Meldung heisst nicht sauber.

Nicht jedes Gewässer wird beprobt, und die Lage kann sich innerhalb eines Tages ändern. Beschilderung und Aufsicht vor Ort gehen immer vor. Bei Beschwerden nach Wasserkontakt gehört die Einschätzung zu Arzt oder Tierarzt — dieser Text ersetzt sie nicht.

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